Das Wort Roman kommt aus einer Unterscheidung1, die im Mittelalter in Europa begann, zwischen dem Volk und den Intellektuellen, und die bis in die Zeit des 16.-17. Jahrhhunderts dauerte. Die Sprache des Volkes nannte man lingua romana, um diese Sprache von der Sprache der Intellektuellen zu unterscheiden; ihre Sprache war Latein. Das änderte sich langsam, aber bis in die Neuzeit machte man in Deutschland einen Unterschied zwischen den Intellektuellen und den
weniger
gebildeten2 Menschen.
Das Wort Roman kommt also von lingua romana, weil der Roman eine Literaturform für das lesende Volk (nicht alle Menschen
konnten lesen!) und nicht für die Intellektuellen war. Andere Formen der Literatur wie Lyrik
und
Epik wurden hauptsächlich für Intellektuelle geschrieben und von ihnen gelesen, auch wenn sie nicht auf latein waren.
Als Literaturform begann der Roman im 16.-17. Jahrhundert, er ist
also ziemlich jung. Erst später, im 19. Jahrhundert, akzeptierten die Intellektuellen den Roman als "gute Literatur", und auch dann sagten Zweifler3, daß der Roman keine
Form
der "guten Literatur" sein könne, weil er keine festen Regeln hatte wie andere ältere
Formen der Literatur.
Der Roman gehört zur Literaturform der EPIK, d.h., er hat einen Erzähler4.
Charakteristiken des Romans:
Keine ganz festen Regeln wie andere Formen der Literatur.
Der Roman zeigt meistens innere und äußere Welten, d.h., der
Erzähler beschreibt nicht nur das, was den Charakteren geschieht,
sondern auch das, was die Charaktere denken und fühlen. Vergleicht8 man den Roman mit einem Gedicht und einem Drama, dann versteht man besser, was ein Roman ist: In einem Gedicht zeigt man die innere Welt, in einem Drama zeigt man, was den Charaktern passiert, aber der Roman zeigt beides.
Der traditionelle Roman versucht also, eine ganze Welt, d.h. die
Welt um die Charaktere und die Welt in den Charakteren, zu schaffen9. Diese Art, eine eigene Welt zu
schaffen, nennt man den Totalitätsanspruch10.
Allerdings11 schreiben viele Romanschriftsteller12 des 20. Jahrhunderts eine neue
Art des Romans und versuchen nicht mehr, diese totale Welt zu zeigen, oder eine ganze Welt
zu schaffen, weil sie meinen, der Mensch kann das in der modernen Welt nicht mehr verstehen. Oft
betonen13 diese Autoren die Innenwelt der Charaktere (z.B. James
Joyce, stream of consciousness oder Kafka).